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Hilfe durch den Dschungel der Antragsformulare 

Von
Sven Hunger-Weiland

Ammerland. Formular, Fragen und nochmal Fragen, nicht zuletzt wegen der Formulare: Wer seinen Rentenantrag stellen möchte, muss sich auskennen – oder sich Hilfe holen. Das genau ist die Aufgabe der sogenannten Versichertenältesten der Deutschen Rentenversicherung (DRV). Gestern wurde mit Marion Schön eine neue Versichertenälteste für das Ammerland ins Amt eingewiesen.
Jugendgruppenleiter, Kirchenkreis, Sporttrainer – all das ist Marion Schön nicht. Und trotzdem bekleidet sie ein Ehrenamt, das Betroffene hoch zu schätzen wissen, nämlich das einer Versichertenältesten.
„Der Begriff ist eigentlich ziemlich antiquiert und stammt noch aus der Zeit der Knappschaften vor einigen hundert Jahren. Wir haben ihn aus dem SGB IV, dass die Rentenversicherung regelt, übernommen und behalten“, erklärt Thomas Rathmann, Pressesprecher der DRV Oldenburg-Bremen.
Auch Marion Schön ist mit ihren 46 Jahren weit davon entfernt, eine Versichertenälteste zu sein. Doch in der eigenen Familie erfuhr sie, welche Schwierigkeiten das Antragsstellen machen kann: „Irgendwann sah ich meinen Onkel vor einem Wust Papier sitzen und Fragen beantworten. In mir wuchs der Wunsch, das Verfahren zu verstehen und mein Wissen weiter zu geben, um gerade älteren Menschen helfen zu können“, erklärt sie.
Seit 1974 sind bei der Rentenversicherung, damals noch Landesversicherungsanstalt (LVA), ehrenamtliche Älteste unterwegs: „Und es wurden mit den Jahren immer mehr, denn auch auf der DRV lastet ein erheblicher Kostendruck, und so wurden mehr und mehr Beratungsbüros eingestellt“, erklärt Thomas Rathmann. Mittlerweile sind rund 50 Versichertenälteste im Einzugsgebiet der DRV Oldenburg-Bremen tätig. Und diese bearbeiten mittlerweile ein Drittel aller Rentenanträge – rund 10.000 Stück pro Jahr.
Lothar van Hove gehört zu den „alten Hasen“. Seit 1993 ist er dabei und unterstützt die Antragsteller: „Anfangs braucht man seine Zeit – man möchte keine Fehler machen. Später ist man routiniert und kann helfen, die Anträge in kurzer Zeit zu bewältigen.“ Dabei kommen auch regelmäßig sehr persönliche Lebensumstände ins Spiel – vielleicht einer der Gründe, weshalb viele ältere Menschen lieber einen Versichertenältesten aufsuchen, als sich Rat in der oft annonymen Behörde zu holen.
Insgesamt fünf Älteste werden im Ammerland vom Deutschen und dem Christlichen Gewerkschaftsbund als Listenträger vorgeschlagen – zur Zeit ist eine Stelle unbesetzt: „Das wird sich aber in kürze ändern“, kündigt Rathmann an. Dankbar sei man den einzelnen Gemeinden für die gute Zusammenarbeit, beispielsweise bei der Beschaffung von Räumen für die Beratungstätigkeit: „Das klappt immer wunderbar“, lobt Rathmann.
Für die Zukunft sieht er viel Arbeit auf die Versichertenältesten zukommen, zum einen wegen der demografischen Entwicklung, zum anderen aufgrund möglicher Gesetzesänderungen während der nächsten Legislaturperiode. „Bei den Renten insgesamt haben wir bis mindestens 2030 aber alles in trockenen Tüchern“, zeigt er sich optimistisch. Das Rentenniveau werde stabil bleiben.
In Westerstede bietet Lothar van Hove alle zwei Wochen dienstags und freitags Sprechstunden an. Marion Schön ist jeweils den ersten Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr im Westersteder Rathaus. Zusätzlich bietet die DRV jeden ersten und dritten Dienstag im Montag von 8.30 bis 12.30 Uhr sowie von 18 bis 16 Uhr im Rathaus einen Sprechtag an. Die Versichertenältesten sind Dieter Güttler (Telefon 04402/4490), Lothar Mann (0441/602338), Marion Schön (04405/6993) und Lothar van Hove (04403/8489).


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