Von
Fabian Speckmann
Oldenburg. Bescheiden und zurückhaltend, das war einmal. Das Anspruchsdenken im VfL Oldenburg hat sich dem Tabellenplatz angepaßt. Die Bundesliga-Rangliste weist die Oldenburgerinnen derzeit als Dritte aus. Dieser Diktion folgend ist der VfL eine Spitzenmannschaft und als solche möchte man in Celle und Göppingen eigentlich die volle Punktzahl mitnehmen. Weil selbiges nicht gelang, werden heute Abend, ab 19.30 Uhr im Spitzenspiel gegen Bayer Leverkusen zwei Zähler angepeilt.
„Wir haben auswärts zwei Punkte liegen lassen, weil wir nicht clever genug waren. Jetzt wollen wir gegen Leverkusen gewinnen, um unser Konto auszugleichen“, sagt Sabrina Neuendorf. Natürlich sei ein Sieg gegen den Tabellenzweiten keine Pflicht, betont die Spielmacherin, doch man habe mittlerweile schon den Anspruch, auch gegen Bayer zu punkten. Vielleicht, überlegt die angehende Juristin, sei es ganz gut, dass die Mannschaft einmal nicht den Druck des Gewinnen-Müssens habe. Die Play-Offs habe man schließlich erreicht und dort sei die Situation dann eine ganz andere.
Daran gemessen kommt das Spiel gegen die Elfen, wie sich die Bayer-Handballformation nennt, gerade recht. Fünf Punkte beträgt der Vorsprung des nach dem HC Leipzig größten Titelanwärters der Bundesliga. Auf deren drei wollen die Oldenburgerinnen die Differenz reduziert wissen. Das „Wie“ ist dabei kein Geheimnis. „Man weiß nach einigen Jahren Bundesliga ja, wie die Gegner spielen, denn so viel tut sich ja nicht“, sagt Neuendorf und wird sich doch intensiv mit jenen bewegten Bildern auseinandergesetzt haben, die Trainer Leszek Krowicki von jedem Gegner zusammenstellt.
Dessen taktische Ausrichtung orientiert sich wiederum weniger am Gegner, sondern vor allem an der eigenen Mannschaft. „Man muss Leverkusen durch Eigeninitiative beeinflussen, Druck machen, Härte zeigen und darf sich nicht vom Gegner abhängig machen“, erklärt der Trainer. Natürlich wisse man um die Stärken von Bayer, deren Rückraum mit den Internationalen Ahlgrimm, Loerper, Steinbach und Glancovicova etwa, doch letztlich müsse man vor allem versuchen, das eigene, schnelle Spiel durchzubringen, verlangt Krowicki.
Das ist in Göppingen eigentlich gut gelungen und doch mussten beim 25:25 am Ende die Punkte geteilt werden. Unnötig, wie Trainer und Spielmacherin in ausdrücklicher Eintracht feststellen. „Wir führen mit drei Toren und müssen einfach noch lernen, das man so einen Vorsprung dann runterspielt. Zur Not nimmt man auch mal ein Zeitspiel in kauf“, sagt Krowicki. Gleichwohl geht der Trainer mit seiner Mannschaft ob des Punktverlustes nicht hart ins Gericht. „Man darf nicht vergessen, dass wir sechzig Minuten sehr körperbetont spielen mussten. Das hat sehr viel Kraft gekostet“, stellt er mit Blick auf seinen kleinen Kader fest.
Zumindest dieses Problem soll sich in der nächsten Saison nicht mehr stellen. Leszek Krowicki plant mit 14 Spielerinnen, möchte alle Positionen doppelt besetzen, um im Training auch Spielsituationen besser darstellen zu können und den Konkurrenzkampf nachhaltig zu beleben. Eine starke Linkshänderin und eine Spielerin für die Aussenbahn wünscht sich der Trainer, dessen Tür auch für junge Talente immer offen ist. Priorität haben gleichwohl die Vertragsverlängerungen. „Für Verhandlungen war noch keine Zeit“, sagt Sabrina Neuendorf mit Blick auf das derzeit volle Programm. Doch die nächste Lücke im Terminplan soll genutzt werden, wenn es nach Krowicki geht, auch für eine Unterschrift von Sabrina Neuendorf.